31.10. | Offenes Geheimnis

18.00/20.30

Anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester kehrt Laura (Penelope Cruz) zurück in ihr spanisches Heimatdorf nahe Madrid. Eigentlich ein freudiges Ereignis, aber das äußerlich so harmonische Familiengefüge existiert in Wirklichkeit überhaupt nicht. Das früher der Familie gehörende Weingut gehört mittlerweile Paco (Javier Bardem) und seiner Frau Bea. Erschwerend wirkt sich aus, dass Laura und Paco früher einmal ein Paar waren. Hinzu kommen Standesunterschiede, denn eigentlich ist der jetzige Gutsherr das Kind von Dienstboten und hat zudem das Weingut zu einem, angeblich, viel zu niedrigen Preis übernommen. Konfliktpotenzial ist also bereits von Anfang an reichlich vorhanden. Da wird mitten in der Nacht Lauras Tochter Irene aus ihrem Schlafzimmer entführt. Sofort beginnen die gegenseitigen Verdächtigungen ins Kraut zu schießen und die ungelösten Wechsel und Schuldscheine aus der Vergangenheit entfalten ihr zerstörerisches Gift. Der Regisseur und zweifache Oscar-Preisträger Asghar Farhadi präsentiert eine dramatische Familiengeschichte voller dunkler Abgründe. „Offenes Geheimnis“ feierte seine Premiere als Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes.

Spanien 2018, Regie: Asghar Farhadi, Darsteller: Penelope Cruz, Javier Bardem, Ricardo Darin, ab 12, 132 min

24.10. | Glücklich wie Lazzaro

18.00/20.30

Die Idylle trügt in Inviolata, einem abgeschiedenen Landgut in der italienischen Provinz. In Wirklichkeit herrscht die Marchesa Alfonsina de Luna (Nicoletta Braschi) mit harter Hand über ihre Landarbeiter. Bei Lichte betrachtet könnte man auch von moderner Leibeigenschaft sprechen. Einer dieser Sklaven der Neuzeit ist Lazzaro (Adriano Tardiolo). Lazzaro ist die Gutmütigkeit und Duldsamkeit in Person. Das führt dazu, dass seine Arbeitskollegen ihn ausnutzen und verspotten, wo es nur geht. Die Landarbeiter sind eben nicht nur Opfer, sondern auch Täter nach dem Prinzip lieber selbst treten als getreten werden. Auch Tancredi, der Sohn der Marchesa, behandelt den freundlichen jungen Mann wie ein Spielzeug. Eines Tages allerdings ist es ganz unerwartet vorbei mit der Selbstherrlichkeit der Gutsherrin. Die Polizei steht vor der Tür, die Marchesa wird angeklagt, die Zeitungen schreiben von „Il grande inganno“, dem großen Betrug. Bessern wird sich die Lage der Unterdrückten dadurch allerdings nicht. Ihr neuer Arbeitgeber beutet sie bei der Olivenernte fast genauso aus wie sie es bei der Marchesa gewohnt waren. Die Regisseurin Alice Rohrwacher hat sich bei ihrer Geschichte von einer wahren Begebenheit inspirieren lassen, die sich in den Jahren um 1980 zutrug. Sie schildert alte Formen der Ausbeutung, die auch die neuen sind. „Glücklich wie Lazarro“ ist ein Gemisch aus Sozialdrama und bitterem Märchen. Wunderliche, irreale Begebenheiten wechseln ab mit Szenen voller hartem Realismus. Dafür gab es bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes den Preis für das beste Drehbuch.

Italien 2018, Regie: Alice Rohrwacher, Darsteller: Adriano Tardiolo, Nicoletta Braschi, Luca Chikovani, Tommaso Ragno, ab 12, 127 min

17.10. | Styx

18.00/20.30

Ihre Arbeit in Köln ist verdammt anstrengend, also nimmt sich die Notärztin Rike (Susanne Wolff) eine Auszeit. Ganz allein will sie auf dem kleinen Motorsegelboot „Asa Gray“ von Gibraltar aus zur Atlantikinsel Ascension fahren. Die liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Afrika und Südamerika. Der Abenteuertrip auf dem gerade einmal zwölf Meter langen Boot lässt sich zunächst gut an. Aber dann zieht ein schwerer Sturm auf und Rike trifft vor der afrikanischen Küste auf ein völlig überladenes Fischerboot. Dutzende Flüchtlinge kämpfen auf der manövrierunfähigen Nussschale um ihr Leben. Flehentlich herbeigefunkte Hilfe bleibt aus. Rike kann nicht allen Bootsinsassen helfen, ohne selbst in Gefahr zu geraten. Also entschließt sie sich, zumindest einen zu retten und hievt den schwer verletzten, im Wasser treibenden 14-jährigen Kingsley (Gedion Odnor Wekesa) an Bord. Doch damit beginnen die Probleme erst richtig. Die Flüchtlingskrise vor der afrikanischen Küste scheint für den Durchschnittseuropäer trotz aller medialen Präsenz letztlich doch unendlich weit weg zu sein. Regisseur Wolfgang Fischer holt die Geschehnisse ganz nahe heran, indem er sie persönlich macht. Eine auf sich gestellte Retterin trifft auf einen einzigen Flüchtling. Stellvertretend werden beide Seiten hautnah und unmittelbar miteinander konfrontiert. Das macht dieses Ozeandrama so sehenswert.

Deutschland 2018, Regie: Wolfgang Fischer, Darsteller: Susanne Wolff, Gedion Odnor Wekesa, ab 12, 95 min

10.10. | Egal was kommt

18.00/20.30

Der Fernsehjournalist Christian Vogel hat ein großes Ziel. Einmal auf dem Motorrad die Welt umrunden. Seinen Job hängt der 34-jährige an den Nagel und startet am 19.Mai 2015 ins Unbekannte. Von Florida geht es quer durch die Vereinigten Staaten bis nach Alaska. In Asien führt ihn sein Weg über China, die Mongolei und Russland nach Indien und weiter durch den Iran und die Türkei nach Europa. An der portugiesischen Atlantikküste schließt sich der Kreis. Die kleinen, am Bike angebrachten Kameras liefern beeindruckende Bilder, übertragen das Fahrgefühl ungefiltert in den Kinosaal. Schnell wird klar, dass es ohne fremde Hilfe nicht gehen wird. Ohne eine freundliche mongolische Nomadenfamilie, die sein Krad aus dem Dreck zieht, wäre die Reise hier schon zu Ende und derartige Situationen wiederholen sich. „Losgefahren bin ich allein, wieder angekommen bin ich dank anderer“ lautet Vogels große wie banale Erkenntnis. Als Kommentator aus dem Off geht er selbstkritisch mit sich ins Gericht, gesteht sich ein, dass er eigentlich mehr Glück als Verstand hat. „Egal was kommt“ ist ein sehr persönlich gehaltenes Reisetagebuch über jemanden, der sich zur Erfüllung seines Traums immer wieder selbst überwindet – und ein Film darüber, wie wunderbar der Rückhalt wildfremder, aber hilfsbereiter Menschen sein kann.

Deutschland 2018, Regie: Christian Vogel, Dokumentation, ab 6, 121 min

3.10. | Fridas Sommer

18.00/20.30

Barcelona 1993. Es ist Sommer, doch für die sechsjährige Frida (Laia Artigas) ist es eine traurige Zeit. Ihren Vater hat sie schon vor längerem verloren, nun stirbt auch ihre Mutter. Die Familie ihres Onkels holt die junge Vollwaise zu sich aufs Land. Schwer fällt dem Mädchen die Gewöhnung an die fremde Familie in einer fremden Umgebung. Doch mit der Zeit gelingt es Frida, sich ein wenig zu öffnen; sie fühlt sich wohler im neuen Zuhause. Trotzdem bleibt ihr Verhalten unvorhersehbar und launisch – Trauer und Glücksgefühle liegen immer sehr dicht beieinander. Der Debütfilm der Regisseurin Carla Simon ist stark autobiographisch gefärbt. Sie selbst verlor im Kindesalter ihre Eltern. Feinfühlig blickt Simon in die zerbrechliche Seele der jungen Hauptfigur. Deren innere Zerrissenheit wird in fast dokumentarisch wirkenden Szenen von innen nach außen gekehrt. „Fridas Sommer“ erlebte seine Premiere bei der Berlinale 2017 und gewann dort den Großen Preis der Internationalen Jugend-Jury. Ein ergreifender und sensibel umgesetzter Film aus kindlichem Blickwinkel.

Spanien 2016, Regie: Carla Simon, Darsteller: Laia Artigas, Paula Robles, Bruno Cusi, ohne Altersbeschränkung, 96 min