28.11. | Das Gegenteil von Grau

18.00/20.30

Zu Gast: Filmemacher Matthias Coers. (Beide Vorstellungen)
Mit Unterstützung durch das Kulturbüro Bremerhaven.

Brachflächen, Leerstand und Anonymität sind typische Probleme moderner Großstädte. Nicht alle Bewohner wollen sich damit abfinden. Die Initiative „Recht auf Stadt Ruhr“ ist ein offenes Netzwerk aus interessierten Einwohnern, Journalisten, Wissenschaftlern, Sozialarbeitern und Kulturschaffenden. Es entstand im Jahre 2013 und versteht sich als Forum für eine neue Ausrichtung der Stadtpolitik. Gemeinschaftsgärten, Stadtteilläden, Repair-Cafes und Mieter-Initiativen sind seitdem zwischen Duisburg und Dortmund aus dem Boden geschossen. Der Regisseur Matthias Coers porträtiert diese ganz unterschiedlichen Gruppen, die sich urbane Freiräume erkämpfen und sich einsetzen für ein solidarisches und ökologisches Zusammenleben inmitten der städtischen Ballungsräume. Nachahmung ist ausdrücklich erwünscht : Auch in Bremerhaven gibt es ja bereits Repair-Cafes und offene Bücherschränke, aber da ist ganz sicher noch Luft nach oben.

Deutschland 2017, Regie: Matthias Coers, Dokumentation, ohne Altersbeschränkung, 93 min

21.11. | BlacKkKlansman

18.00/20.30

„Der Shit ist wirklich passiert“. Wenn dieser Satz auf der Leinwand erscheint, ist „BlacKkKlansman“ nur wenige Minuten alt. Und der Satz notwendig. Zu irrwitzig kommt einem die Geschichte vor, die der Regisseur Spike Lee hier vorstellt. Der junge Afro-Amerikaner Ron Stallworth (John David Washington) war in den 1970er Jahren Polizist in Colorado Springs. Zunächst wird er ins Archiv abgeschoben und seine weißen Kollegen finden großen Spaß daran, von ihm Ermittlungsakten über „Bimbos“ zu verlangen. Doch Stallworth macht das nicht lange mit. Selbstbewusst marschiert er zu seinem Chef und bietet sich als Undercover-Agent an. Zunächst wird er auf den Black Power-Aktivisten Stokely Carmichael angesetzt. Dann entdeckt er eine Zeitungsanzeige des Ku-Klux-Klans. Ganz unverhohlen sucht der rassistische Geheimbund neue Mitstreiter, die Telefonnummer wird gleich mitgeliefert. Stallworth ruft an, schwadroniert von der Überlegenheit der weißen Rasse und verabschiedet sich mit „God bless white America“. Die Männer mit den spitzen weißen Kapuzen sind dermaßen beeindruckt, dass sie den jungen Polizisten als Mitglied aufnehmen. Allerdings muss Stallworth Telefonstimme bleiben, für die Klan-Treffen schlüpft sein Kollege Philip Zimmermann (Adam Driver) in seine Rolle. Ungefährlich ist das trotzdem nicht, denn Zimmermann ist zwar weiß, aber Jude, und auch die mögen die Kapuzenmänner überhaupt nicht. Spike Lee hat seinen Film als Mischung aus bitterer Farce, Thriller und politischem Drama angelegt. Parallelen zum heutigen Amerika sind gewollt, wenn die Klanmitglieder „white power“ und „America first“ brüllen und wenn Dokumentaraufnahmen aus Charlottesville zu sehen sind, durch das im vergangenen Sommer ein Haufen aus Rechtsextremisten und Klan-Anhängern marschierte. Eine tollkühne Geschichte aus den 70-ern, die das Heute meint.

USA 2018, Regie: Spike Lee, Darsteller: John David Washington, Adam Driver, Alec Baldwin, ab 12, 136 min

14.11. | Die andere Seite

18.00/20.30

Zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges

In Kooperation mit dem Stadtarchiv Bremerhaven

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek Berlin

Ohne Whisky geht es nicht mehr. Nicht bei Captain Stanhope (Conrad Veidt). Der Hauptmann der britischen Armee liegt mit seiner Truppe kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges im Schützengraben in Frankreich. Die Engländer erwarten die letzte Offensive des deutschen Heeres, die am 21. März 1918 losbrechen wird. Die Angst steht den Männern im Gesicht geschrieben. Stanhope selbst ist durch die jahrelangen grauenvollen Kriegserlebnisse bereits innerlich zerbrochen. Nur der Alkohol lässt ihn den furchtbaren Alltag an der Front überhaupt noch durchhalten. Trotzdem versucht der Captain die Kontrolle über sich zu behalten und seinen Untergebenen ein guter und zuverlässiger Anführer zu sein. Conrad Veidt verkörpert diesen Zerrissenen und Verzweifelten in großartiger Weise. Der deutsche Film „Die andere Seite“ von 1931 beruht auf dem englischen Theaterstück „Journey’s End“ von 1928. Und der Regisseur Heinz Paul ändert an dem ursprünglichen Szenario nichts. Die deutschen Darsteller spielen die englischen Soldaten. Dieser Perspektivenwechsel macht den ganz besonderen Reiz dieses Films aus. Die feindlichen Deutschen bleiben anonym, man sieht nichts von ihnen. Überhaupt sieht man vom Krieg so gut wie nichts, ein fernes Kanonengrollen ab und zu, mehr nicht. Es ist auch nicht notwendig. Das mörderische Ringen zwischen den Schützengräben spiegelt sich in den Gesichtern von Stanhope und seinen Kameraden und drückt sich aus in dem was sie tun in ihrem aus Holz und Erde zusammen gezimmerten Unterstand. Dieser (Anti)-Kriegsfilm ohne Krieg ist eine vergessene Perle des deutschen Kinos. 1931 vom NS-Propagandisten Joseph Goebbels noch mit den Worten gepriesen „Ein guter Film. Ohne Sentimentalität.“, wurde er im April 1933 verboten „wegen seines zersetzenden Einflusses auf den Wehrwillen des Volkes.“ Seine Wiederaufführung erlebte dieses Kammerspiel im Schützengraben in der Sektion „Retrospektive Weimarer Kino“ bei der diesjährigen Berlinale.

Deutschland 1931, Regie: Heinz Paul, Darsteller: Conrad Veidt, Theodor Loos, Friedrich Ettel, ab 12, 100 min, schwarz-weiß

Gerne weisen wir an dieser Stelle auf die folgende Ausstellung unseres Kooperationspartners hin:

Stadtarchiv Bremerhaven , Stadthaus 5 , Hinrich-Schmalfeldt-Straße : Ausstellung „100 Jahre Erster Weltkrieg“, ab dem 12. November 2018

7.11. | Itzhak Perlman – ein Leben für die Musik

18.00/20.30

Dies ist ein Film über Musik und über einen Menschen, der sie lebt, liebt und verkörpert: den Geiger Itzhak Perlman. Dessen jüdische Eltern mussten aus Polen emigrieren und gingen nach Israel; in Tel Aviv kam ihr Sohn 1945 zur Welt. Der Junge erkrankt an Polio, was ihn zeitlebens dazu zwingen wird, im Sitzen zu spielen. Um den begabten Sohn zu fördern, geht seine Mutter mit ihm nach New York, wo er an der legendären Juillard School studiert. Heute unterrichtet er dort selbst. Die amerikanische Regisseurin Alison Chernick begleitet den Musiker, zeigt ihn bei Proben und Konzerten, auf Reisen, beim Kochen und beim Witze-Erzählen. Außerdem streut sie Gespräche Perlmans ein, mit Freunden, anderen Musikern und ganz besonders mit seiner Ehefrau Toby. 50 Jahre sind die beiden inzwischen verheiratet und miteinander durch dick und dünn gegangen.

Itzhak Perlmans musikalische Bandbreite verblüfft ein ums andere Mal. Sein Repertoire reicht von Schubert, Strauß und Bach bis hin zu Jam-Sessions mit Billy Joel und Auftritten mit einer befreundeten Klezmer-Band. „Die Geige ist ein fantastisches Instrument“, sagt der junge Perlman in einem Interview, „sie ist ein Nachbau der Seele“. Und dazu passt die Erkenntnis, dass es den richtigen, den perfekten Ton nicht gibt. Was es aber gibt: eine Empfindung und eine Leidenschaft, die zu Klang und zu Musik wird.

USA/Israel 2018, Regie: Alison Chernick, Dokumentarfilm, ab 12, 80 min