25.10. | Die beste aller Welten

18.00/20.30

Die_beste_aller_Welten_Plakat_01_deutschDer siebenjährige Adrian (Jeremy Miliker) erlebt eine Kindheit in einem außergewöhnlichen Milieu, am Rande von Salzburg. Die ganze Gegend ist für den Jungen ein einziger Abenteuerspielplatz und dass seine Mutter soviel Zeit mit ihm verbringt, findet er auch toll. Helga (Verena Altenberger) ist eine liebevolle Mutter, spielt mit ihrem Sohn Fußball, erzählt ihm Zaubermärchen, bestärkt ihn. Auf der anderen Seite ist sie drogensüchtig und das geht im Alltag nicht ohne Schwierigkeiten ab. Mit aller Macht versucht sie, alles negative von Adrian fernzuhalten und trotz ihrer Sucht eine gute Mutter zu sein. Und das gelingt ihr auch. Adrian kennt es nicht anders, für ihn ist es eine behütete Kindheit, die beste aller Welten. Bis sich die Außenwelt nicht mehr länger aussperren lässt. Helga weiß, sie muss jetzt clean werden, um ihren Sohn nicht für immer zu verlieren. Der Regisseur Adrian Goiginger erzählt in seinem Debütfilm seine eigene Lebensgeschichte. Es ist eine Hommage an seine Mutter, einer starken Frau, trotz aller widrigen Umstände. Verena Altenberger wurde für ihre Rolle als Helga zur besten österreichischen Schauspielerin gekürt und Jeremy Miliker spielt den Siebenjährigen unglaublich authentisch und lebendig. Ein wahrhaftiger und aufwühlender Film über eine ganz besondere Mutter-Kind-Beziehung.

Österreich 2017, Regie: Adrian Goiginger, Darsteller: Verena Altenberger, Jeremy Miliker, ab 12, 103 min

18.10. | Mr. Long

18.00/20.30

mr-long-2Der titelgebende Charakter Mr. Long ist ein Profikiller und zwar einer der ganz souveränen Sorte. Mit einer primitiven Handfeuerwaffe gibt er sich nicht ab, er benutzt ein elegantes Messer. Dieses archaische Tatwerkzeug weiß Mr. Long präzise einzusetzen. Schnell sind seine Opfer zur Strecke gebracht und Long entfernt sich gemessenen Schrittes, hinaus in die bevölkerten Straßen der Stadt Kaohsiung auf Taiwan. Eine Aura der Unbesiegbarkeit umgibt diesen Mann. Doch sein nächster Auftrag führt ihn ins fremde Tokio und dieser Auftrag geht schief. Jetzt steht Longs eigene Hinrichtung an und nur durch einen makabren Zufall gelingt es ihm zu entkommen. Und der durch eine Stichwunde Verletzte hat weiter Glück. Ein kleiner Junge bringt ihm Wundmittel und Verbandszeug, außerdem frisches Gemüse. Long beginnt zu kochen und von den Düften seiner Suppe angezogen, entdeckt ihn eine Gruppe skurriler, ständig schwatzender Japaner. Sie verkosten seine Suppe und planen augenblicklich seine Zukunft. Ein Imbisswagen samt lukrativem Stellplatz ist schnell zur Hand und Long wird zum fahrenden Suppenkoch ernannt. Widerstand zwecklos. Die japanischen Freunde sind da unerbittlich. Auch dass sie kein Chinesisch verstehen und Long kein Japanisch spielt keine Rolle. Der Film des japanischen Regisseurs Sabu wechselt auf elegante Weise mehrfach das Genre, vom Actionthriller über die Romanze zum Melodrama und wieder zurück, ohne dass sich hieraus logische Brüche oder Dissonanzen ergeben würden. Und „Mr. Long“ gibt eine Antwort darauf, warum der Typus des Profikillers einer der langlebigsten der Filmgeschichte ist. Der einsame Wolf auf nächtlicher Straße, scheinbar unbesiegbar, hat das Kinopublikum immer schon in seinen Bann gezogen.

Japan/Taiwan 2017, Regie: Sabu, Darsteller: Chen Chang, Runyin Bai, Yiti Yao, ab 16, 128 min

11.10. | Western

18.00/20.30

WESTernEinen deutschen Western, der in Bulgarien spielt, das bietet die Regisseurin Valeska Grisebach in ihrem neuen Film. Ein Trupp ostdeutscher Bauarbeiter bricht auf, um in einer Hügelregion hart an der griechischen Grenze ein Kraftwerk zu errichten. Diese Arbeiter der Faust sind mit einer durchaus rustikalen Rhetorik ausgestattet und auch die Handlung ist nicht von schlechten Eltern. Da wird geraucht und geritten, geflucht und geschossen, geschlagen und gesoffen. Regisseurin Grisebach trotzt diesem Szenario aber auch immer wieder überraschend viel Poesie ab. Wenn Bauarbeiter Meinhard (Meinhard Neumann) auf einem Schimmel durch das Hinterland trabt, erinnert das an selige Karl-May-Verfilmungen und mehr lonesome wirkt auch kein Cowboy aus der Hollywood-Traumfabrik. Viel mehr jedoch widmet sich Grisebach dem intensiv inszenierten Zusammenprall der Kulturen, der unweigerlich eintreten muss, wenn der oftmals bierselige deutsche Macho-Pulk auf die männliche, und weibliche, Dorfbevölkerung trifft. Ungeschminkt werden die Mühen und Strapazen der Annäherung zwischen Fremden und Einheimischen vorgestellt. An neuralgischen Punkten kann Integration scheitern und Gastfreundschaft ihre Grenzen finden. Konsequenterweise verweigert Grisebachs Parabel ein glückliches, aber auch ein negatives Ende. Bewerkstelligt wird das ganze mit einem ganz und gar hinreißenden Ensemble, das, man höre und staune, ausschließlich aus Laiendarstellern besteht. Allen voran: Mighty Meinhard. Ein genauso ungewöhnlicher wie großartiger Film über einen Kampf der Kulturen.

Deutschland/Bulgarien 2017, Regie: Valeska Grisebach, Darsteller: Meinhard Neumann, Reinhardt Wetrek, Syuleyman Alilov Letifov, ab 12, 121 min

 

4.10. | Innen-Leben

18.00/20.30

innenEine Wohnung. Eine Familie und ein paar Nachbarn. Es könnte fast eine deutsche Wohnung sein, wenn da nicht der Blick durchs Fenster wäre. Der zeigt nur Tod und Verwüstung, denn die Wohnung befindet sich in Damaskus, mitten im syrischen Bürgerkrieg. Der belgische Regisseur Philippe Van Leeuw inszeniert ein Kammerspiel, bei dem das gewalttätige Äußere des Bürgerkrieges ungemein intensiv nach innen dringt. Die Handkamera folgt den Bewohnern durch die Zimmer. Bei schweren Einschlägen in der Nachbarschaft flüchten alle in einen Innenraum ohne Fenster. Und die Bedrohung rückt noch näher. Räuber dringen in das Haus ein und vergewaltigen die Nachbarin. Die Familie bekommt alles mit und kann doch nicht einschreiten, ohne selbst massakriert zu werden. Schuldzuweisungen versagt sich der Film, Perspektiven oder Hoffnung gibt es ebenso wenig. „Innen-Leben“ schildert das Schicksal zusammengewürfelter Menschen in einer extremen Bedrohungssituation. Das erschütternde Kammerspiel beeindruckte zutiefst bei der diesjährigen Berlinale und gewann den Panorama-Publikumspreis.

Belgien/Libanon 2017, Regie: Philippe Van Leeuw, Darsteller: Hiam Abbass, Diamand Abou Abboud, Juliette Navis, ab 12, 86 min