27.3. | The Favourite – Intrigen und Irrsinn

18.00/20.30

England um das Jahr 1710. Nominell regiert die Königin Anne Stuart (Olivia Colman), doch das gekrönte Haupt zeigt kaum Interesse an der großen Politik. In diese Lücke stößt die Hofdame Lady Sarah Churchill (Rachel Weisz). Die Lady ist die Gattin von Lord Marlborough, seines Zeichens Kommandant der britischen Armee, und sie versteht es glänzend, die Königin für ihre Zwecke einzuspannen. Die Ankunft von Annes Kusine Abigail Hill (Emma Stone) gefährdet diese bequeme Position jedoch ganz erheblich. Abigail gelingt es sogar, Sarah als Vertraute der Königin abzulösen und will nun ihre eigenen Interessen angemessen zur Geltung bringen. Bester Treibstoff also für Intrigen, Verleumdungen und finstere Ränkespiel jeglicher Art. Der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos begibt sich tief hinein in diese Welt der bitterbösen menschlichen Triebe. Das fällt ihm umso leichter, als weite Teile der Filmhandlung historisch belegt sind. Und auch wenn mittlerweile drei Jahrhunderte ins Land gegangen sind, „The Favourite“ kann mühelos als Spiegelbild der Gegenwart fungieren. Zahlreiche politische Potentaten und gesellschaftliche Aufschneider der Jetzt-Zeit dürfen sich da angesprochen fühlen. Ein böser und brillanter Film über die immergrünen Absurditäten und Abgründe menschlichen Verhaltens.

Großbritannien 2018, Regie: Yorgos Lanthimos, Darsteller: Olivia Colman, Rachel Weisz, Emma Stone, ab 12, 120 min

20.3. | Ben Is Back

18.00/20.30

Ben (Lucas Hedges) ist zurück. Ausgerechnet an Heiligabend steht der verlorene Sohn wieder vor der Tür seines Elternhauses. Der 19-jährige hat als Drogensüchtiger und Drogendealer bereits alle Tiefen des menschlichen Daseins ausgelotet. Eigentlich ist er in einer Reha-Einrichtung untergebracht, aber jetzt ist er wieder da und will gerade zu Weihnachten alles richtig machen. Der Empfang durch Mutter, Stiefvater und Geschwister fällt überaus durchwachsen aus. Die Wiedersehensfreude wird massiv beeinträchtigt durch die Angst vor einem möglichen Rückfall. Diese seelische Zerrissenheit prägt den ersten Teil des Films, der sich danach mehr und mehr in einen Action-Thriller verwandelt: Ponce, der struppige Hund der Familie, wird entführt und die Mutter Holly (Julia Roberts) macht sich mit ihrem Sohn auf die Suche nach dem Vierbeiner. Dabei müssen die beiden eintauchen in die finstere Unterwelt der Drogen mit all ihren Gefahren. Der Regisseur Peter Hedges zeigt in „Ben Is Back“ sehr eindrücklich, wie weitverbreitet Drogenabhängigkeit in den USA ist, sich geradezu zu einer nationalen Krise entwickelt hat. Und Julia Roberts sowie Lucas Hedges bieten die gesamte Bandbreite der Gefühle auf, die sich daraus ergibt, Hoffnung und Enttäuschung, Schmerz und Verzweiflung.

USA 2018, Regie: Peter Hedges, Darsteller: Julia Roberts, Lucas Hedges, Kathryn Newton, ab 12, 103 min

13.3. | Adam und Evelyn

18.00/20.30

Im Rahmen der Literarischen Wochen der Volkshochschule Bremerhaven
Zur Vorstellung um 18 Uhr gibt es eine Einführung von Silke Siedenburg, Kommunales Kino Bremerhaven

Der Sommer 1989 ist heiß in der DDR und es wird auch gleichzeitig der letzte sein, den dieser Staat erleben sollte. Das wissen Adam (Florian Teichtmeister) und Evelyn (Anne Kanis) noch nicht, als sie ihren Urlaub am ungarischen Plattensee planen. Dort angekommen, überschlagen sich die politischen Ereignisse. Die Grenze zu Österreich wird geöffnet und jetzt stellt sich für die tausenden von DDR-Urlaubern in Ungarn ganz grundsätzlich und buchstäblich die Frage, wohin die Reise gehen soll. Adam hat sich als Damenschneider und Fotograf in Brandenburg ganz gut eingerichtet und möchte eigentlich wieder zurück. „Ist es nicht egal, wo man lebt?“ sagt er im Gegensatz zu Evelyn, die schon immer raus wollte und von einem Studium an einer westdeutschen Universität träumt. Aus diesen völlig gegensätzlichen Anschauungen und Zielen bezieht der Film des Regisseurs Andreas Goldstein seinen Reiz. Die Tragikomödie „Adam und Evelyn“ beruht auf dem gleichnamigen Roman von Ingo Schulze, der dem ostdeutschen Autor eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2008 einbrachte. Das melancholische Wendedrama nimmt eine ganze Generation im Ausnahmezustand unter die Lupe, die hin- und hergerissen ist zwischen Entschlossenheit und Verlust, zwischen West und Ost. Adam und Evelyn stehen stellvertretend für die vielen tausend Menschen, die sich fragen: Soll man den Neustart in einem „fremden Land“ wagen? Was bringt die Zukunft in diesem neuen politischen System? Ungewissheit trifft auf Aufbruchstimmung und diese schwermütige Atmosphäre fängt Andreas Goldstein mit einem lakonischen und leisen Humor ganz wunderbar ein.

Deutschland 2018, Regie: Andreas Goldstein, Darsteller: Florian Teichtmeister, Anne Kanis, Christin Alexandrow, ohne Alters-beschränkung, 95 min

6.3. | # Female Pleasure

18.00/20.30

Zum Internationalen Frauentag am 8.März

Eigentlich passt der Titel nicht. Eigentlich geht es in „# Female Pleasure“ nicht um weibliche Lust, sondern um deren Unterdrückung. Die Schweizer Regisseurin Barbara Miller porträtiert in ihrem Dokumentarfilm fünf Frauen unterschiedlicher Herkunft; Religion und Kultur. Die Frauen berichten vor der Kamera über ihre Erfahrungen mit sexueller Unterdrückung und schnell wird klar, dass es sich hier um ein globales Problem handelt, das alle Gesellschaften betrifft. Immer wieder muss die Religion als Vorwand herhalten, ganz gleich ob im Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus oder Buddhismus. In sämtlichen Religionen gelten Frauen als heilig und zugleich als unrein, als Gefahr, die der Mann überwinden muss. Das belegt der Film anhand von Zitaten aus den verschiedenen heiligen Schriften. Barbara Miller lenkt den Blick direkt hinein in diese Problematik. Da sind Deborah Feldman, die New Yorker Jüdin, und die ehemalige Nonne Doris Wagner. Die japanische Künstlerin Rokudenashiko kommt neben der indischen Aktivistin Vithika Yadav zu Wort. Und da ist schließlich Leyla Hussein aus Somalia, die weltweit gegen die weibliche Genitalverstümmelung kämpft. Sie wird wütend, wenn von der Religion als Ursache für die Frauenunterdrückung die Rede ist. „It’s a cultural thing“, presst sie zornig hervor. „#Female Pleasure“ hat drastische Bilder nicht nötig ; die Worte, die Erzählungen, die Frauen selbst sprechen für sich. Selbstverständlich kritisieren die Protagonistinnen die gesellschaftliche und sexuelle Unterdrückung ihres Geschlechts. Doch darüber hinaus stehen sie auch für etwas Positives ein. Für die Selbstbestimmung. Für die weibliche Lust. Und insofern passt der Titel des Films dann doch wieder.

Schweiz 2018, Regie: Barbara Miller, Dokumentation, ab 12, 97 min